Die Vahrenwalder Straße ist zwar groß und wichtig, doch der Charme des Stadtteils spiegelt sich hier nicht wider. Die Ausfallstraße teilt Vahrenwald in zwei Hälften, viele Besucher rauschen einfach nur mittendurch. Dabei hat der Bereich westlich der List allerhand zu bieten. Gleich drei Plätze machen das Herz von Vahrenwald aus: Die jüngst umfangreich umgestalteten Areale Jahnplatz und Vahrenwalder Park sowie der Vahrenwalder Platz als Verkehrsknotenpunkt, aber auch Ausgangspunkt für viele Aktivitäten. Schließlich sind Freizeitheim und Vahrenwalder Bad nur einen Steinwurf entfernt. Bis vor Kurzem prägte auch noch die Vahrenwalder Kirche das Bild. 2013 wurde sie abgerissen und durch ein Gebäude mit Sakralraum ersetzt. Das 1950 fertiggestellte Gotteshaus hatte eine kurze, aber bewegte Geschichte. Es war das erste der Stadt, das nach 1945 gebaut wurde. Im frei stehenden Turm neben dem Gebäude hing Hannovers älteste Glocke, sie wurde um das Jahr 1270 gegossen. Und die Kirche war die einzige in Hannover, die beim Bau ohne kirchliche oder staatliche Unterstützung auskommen musste. Freiwillige hatten sie damals dank großer Opfer- und Spendenbereitschaft errichtet. Ein Bäckermeister hatte die Dachziegel gespendet, ein Kriegsheimkehrer Empore und Kanzel getischlert. Doch konnte sie dem kirchlichen Sparzwang nicht trotzen. Für den Vahrenwalder Park hat sich jüngst eine Arbeitsgemeinschaft gebildet, die dafür sorgt, dass das Gelände hinter den ehemaligen Pferdeställen an der Dragonerstraße belebt und nicht vermüllt wird.

Mit Protz und Pomp haben die Vahrenwalder nicht viel am Hut, die Bauten sind schlicht und bodenständig, dafür entfaltet sich vielerorts der Stadtteilcharme in liebevoll begrünten Hinterhöfen. Pflanzlichem Grün hat der Stadtteil wohl auch seinen Namen zu verdanken. Das Dorf Vahrenwald wurde 1183 erstmals urkundlich als Vorenwalde erwähnt, der Name ist wahrscheinlich aus Vor-dem-Wolde abgeleitet. Am heutigen Kolonnenweg begann damals das Waldstück De grote Wald, das sich auf 30 Kilometer Länge in Richtung Westen in Höhe des heutigen Mittellandkanals bis nach Neustadt ausdehnte.

Mitte des 19. Jahrhunderts standen auch noch 17 Bauernhöfe in Vahrenwald. Um 1860 waren es insgesamt 80 Gebäude und 308 Bewohner. Davon sind bis heute nur zwei Gebäude erhalten. 1876 setzte die Ausdehnung der Großstadt Hannover mit dem Bau von Kasernen ein, darunter eine mit der preußischen Kavalleriereitschule. Industriebetriebe folgten bald den Kasernenbauten, wie 1871 die Continental Gummiwerke. 20 Jahre später wurde Vahrenwald dann eingemeindet.